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Intuitiv abnehmen

Intuitiv abnehmen ♥ Sind wir dazu bestimmt schlank zu sein?

Als ich die Begriffe intuitiv essen oder intuitiv abnehmen das erste Mal gehört habe war ich begeistert. Ja genau das trifft es doch, habe ich gedacht. Denn genau damit halte ich doch mein Gewicht. ODER?

Doch nach längerem Nachdenken habe ich mich immer wieder gefragt: Was genau soll das eigentlich bedeuten, intuitiv?! Natürliches Essverhalten?!

Es suggeriert, dass schon alles da ist. Veranlagung quasi. Aber habe ich mein Essverhalten nicht eher erlernt?

Daher möchte ich heute einfach mal meine Gedankengänge dazu teilen. Ohne Anspruch darauf, dass es ein Richtig oder Falsch gibt. Aber vielleicht kann ich den Druck etwas herausnehmen, den viele empfinden, wenn sie plötzlich intuitiv essen sollen.

Intuitiv abnehmen / Natürliches Essverhalten: Was bedeutet das?

Wie man oben schon raushören kann bin ich etwas am Zweifeln, ob intuitiv essen wirklich das beschreibt, was wir in der heutigen Zeit brauchen. Gut anhören tut es sich auf jeden Fall. Es scheint eine Anti-Diät Bewegung zu sein, das finde ich prima!

Aber nehmen wir das Ganze doch etwas genauer unter die Lupe, auf die Gefahr hin, dass du mich nach dem Lesen für kleinlich und super genau hältst ;-).

Begriffsklärung aus dem Duden:

Intuition

  1. das unmittelbare, nicht diskursive, nicht auf Reflexion beruhende Erkennen, Erfassen eines Sachverhalts oder eines komplizierten Vorgangs „sie besitzt eine geniale Intuition“
  1. Eingebung, [plötzliches] ahnendes Erfassen

Natürlich

  1. Zur Natur gehörend; in der Natur vorkommend, nicht künstlich vom Menschen nachgebildet, hergestellt
  2. sich aus den Gesetzen der Natur ergebend
  3. dem Vorbild in der Wirklichkeit entsprechend
  4. angeboren
  5. in der Natur des Menschen begründet

Intuitives oder natürliches Essverhalten beschreibt also das Verhalten von Nahrungsaufnahme, dass uns angeboren ist. Das wir einsetzen ohne bewusst darüber nachzudenken. Gut zu erkennen bei Säuglingen, die ganz intuitiv kurz nach der Geburt die Brust der Mutter suchen.

Wenn wir von intuitiven abnehmen sprechen meinen wir aber vor allem, dass wir keine Diät machen. Dass wir auf Körpersignale wie Hunger und Sättigung achten und unseren Körper respektieren. Es geht darum mit Genuss und Achtsamkeit zu essen. 

Aber liegt das tatsächlich in unserer „Natur“?

Warum intuitives Essen, genetisch gesehen, gar nicht so einfach ist

Ich habe mich also zwangsläufig gefragt, was ist für uns Menschen natürlich. Wo kommt unsere Intuition her? Hat das nicht etwas mit unseren Genen zu tun?

Mittlerweile ist das Gebiet der Genetik gut erforscht bzw. wird ständig erweitert. Und hiermit verlasse ich jetzt offiziell meine Komfortzone und begebe mich kurz auf Glatteis.

Man geht davon aus, dass unsere Gene sich seit Urzeiten kaum verändert haben. Der Mensch ist immer noch für Hungerzeiten ausgelegt (was auf vielen Teilen der Welt ja leider auch noch Sinn macht).

Unsere ganzen Signale wie Hunger, Sättigung, Appetit sollen uns das Überleben sichern. Nach dem Essen regnet es Glückshormone, damit wir es bald wieder tun und uns auf die Suche machen. Und ich bin mir fast sicher, dass unsere Vorfahren nach 5 Tagen Essenssuche froh waren, dass sie dann richtig zuschlagen konnten, auch über ihr Sättigungsgefühl hinaus.

Unsere Gene sind nicht drauf programmiert schlank zu sein. Sondern so viel auf den Rippen zu haben, dass man überleben kann.

Leider geben unsere Urahnen dazu keine Auskunft mehr, aber ich frage mich, was hat dieses Essverhalten mit unserer heutigen Zeit zu tun? Ist es wirklich unsere Intuition, die uns leiten sollte?

Und es geht noch weiter. Während unser Genom (Gesamtheit aller genetischen Informationen) sich nur über sehr lange Zeit verändert, gibt es durchaus auch Gene, die sich schnell anpassen. Man spricht hier von dem Epigenom. Ohne weiter in die Tiefe zu gehen: Die Epigenetik vermittelt uns das Wissen über unsere direkten Erbanlagen.

Ein Teil unseres Gewichtes ist also nicht aus Urzeiten geprägt sondern von unseren direkten Vorfahren, in der Regel unsere Mutter. Zum Beispiel haben Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft übergewichtig waren, noch bis ins Grundschulalter einen erhöhten Insulinspiegel.

Insulin ist ein Hormon, das die Hunger- und Sättigungssignale beeinflusst. Bekommt dieses Kind dann nicht schon eine manipulierte Intuition mit??

Auch beim Erwachsenen verändert sich die Hormonlage mit steigendem Gewicht. Leidet ein Mensch erstmal an Adipositas verändern sich Hirnareale, die z.B. für unsere Glückshormone zuständig sind. Adipöse Menschen müssen folglich mehr essen um das gleiche Glücksgefühl zu erzielen wie normalgewichtige Menschen.

Kann ich da einfach sagen: „Iss bis du satt bist?!“

Genussvolles Essen sowie Essen bis zur Sättigung sind aus meiner Sicht eher antrainierte Verhaltensweisen. Wer konnte in der Steinzeit schon essen, wenn er Hunger hatte? Man hat gegessen, wenn es etwas gab!

Einflussfaktoren intuitives Essen

Ich für meinen Teil löse mich also lieber von den Begriffen intuitiv und natürlich und spreche von einem gesunden Essverhalten. Ein gesundes Essverhalten hat man nicht automatisch in den tiefen seines Körpers vergraben sondern kann man erlernen.

Das senkt die Erwartungshaltung und bezieht Verstand, Wissen und Erfahrung mit ein.

Ob genetische Vorbelastungen zum Tragen kommen, hängt also von dem Verhalten ab, das wir erlernt haben.

(Ja ich sagte ja schon, vielleicht werde ich heute etwas kleinlich und wahrscheinlich meinen es die intuitiven Esser auch genau so. Aber das musste jetzt einfach mal geklärt werden!)

Was ein gesundes Essverhalten ausmacht

Ein gesundes Essverhalten ist für mich also die Verbindung zwischen Ernährungswissen, gutem Körpergefühl und der eigenen Erfahrung, wie mein Körper auf bestimmte Gegebenheiten reagiert.

Merkmale gesundes Essverhalten

Und vor allem ist ein gesundes Essverhalten erlernbar. Egal welche genetischen Voraussetzungen du dafür mitbringst.

Gesundes Essverhalten:

  • Eine gesunde Ernährung, die zu deinen Bedürfnissen passt
  • Das Erkennen der eigenen Körpersignale wie Hunger und Sättigung
  • Kein Hungern!
  • Strategien um Emotionen nicht mit Essen zu ersetzen (z.B. Frustessen)
  • Achtsamkeit und Genuss anstatt schlechtes Gewissen
  • Ein Essensrhythmus, der zum eigenen Alltag passt und dich nicht in die Hungerfalle tappen lässt
  • Keine Angst vor „schlechten“ Lebensmitteln sondern der Grundsatz: Alles in Maßen
  • Weg vom Diätgedanken zu einer Ernährungsumstellung, die du auf Dauer durchhältst
  • Dich nicht nur von deinem Gewicht abhängig machen (Thema Selbstliebe, Akzeptanz, Lebensfreude)
  • Ungünstige Gedankenmuster erkennen und durchbrechen (ich muss, ich sollte, ich darf nicht)
  • Alte Verhaltensmuster aufdecken und ändern (beim Fernsehen brauche ich etwas zu essen)

Diese Liste ist keine Garantie auf Vollständigkeit. Und du kannst dir vorstellen, um all das zu lernen und umzusetzen braucht man Zeit und Geduld. Das geht nicht von heute auf morgen. Es heißt üben, üben, üben.

Gib dir Zeit, ein gesundes Essverhalten kommt nicht in wenigen Tagen!

Learning: Gesundes Essverhalten ist nicht angeboren sondern trainiert

Es gibt unterschiedliche genetische Veranlagungen, die Einfluss auf unser Essverhalten nehmen können. Ein gesundes Essverhalten ist aber in erster Linie erlernbar.

Wenn du Glück hattest, hast du es ganz unbewusst in deinem Elternhaus aufgesaugt und wenn nicht, kannst du es trotzdem ändern.

Hast du als Kind gelernt, den Teller leer essen zu müssen oder wurdest mit Essen belohnt oder getröstet? Dann hast du es heute viel schwerer ein gesundes Essverhalten zu erlernen. Unmöglich ist es aber nicht!

Intuition ist ein schöner Begriff und wird oft positiv assoziiert. Ob unsere Intuition uns wirklich schlank werden lässt, bezweifele ich allerdings.

Also denke bitte nicht, dass ein natürliches Essverhalten einfach um die Ecke kommt oder du es nur wieder ausgraben musst. Du solltest aktiv etwas dafür tun!

Auf zu einem gesunden Essverhalten!

Bis zum nächsten Mal!
Liebe Grüße Jenny

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Jennifer West

Jennifer West| Diätassistentin
Adipositastherapie VDD

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